Fehlgeburt
Eine Fehlgeburt ist ein tief einschneidendes Erlebnis, das
mit vielen Fragen und emotionalen Belastungen verbunden ist. Viele Paare fragen
sich nach den Ursachen und ob wiederholte Fehlgeburten vermeidbar sind. Die
Häufigkeit sporadischer Fehlgeburten ist altersabhängig und nimmt mit
zunehmendem Alter zu. Ursächlich sind hier meist chromosomale
Verteilungsstörungen der Eizelle und diese werden mit zunehmendem mütterlichem
Alter immer häufiger. Demgegenüber sind für gehäufte
Fehlgeburten meist andere Ursachen verantwortlich und diese sind
weitgehend unabhängig vom mütterlichen Alter. Die Abgrenzung sporadischer
gegenüber systematischen (gehäuften) Fehlgeburten ist für die Planung eine
weitere Schwangerschaft von großer Bedeutung, denn dies ist die Voraussetzung
einer sinnvollen Ursachensuche. Und nur damit ist es möglich, eine gezielte
Strategie zur Verhinderung weiterer Fehlgeburten zu entwickeln.
Themen auf dieser Seite
- Warum Fehlgeburten passieren
- Diagnostik nach Fehlgeburten
- Was Sie hier finden
- Sporadische Fehlgeburten
- Einzelne oder gehäufte (habituelle) Fehlgeburten
- Systematische Wiederholungs-Ursachen
- M2-Haplotyp des Annexin A5 Gens (M2/ANXA5)
- Anti-Trophoblast-Antikörper
- Weitere mögliche Ursachen – Sinn und Unsinn von Therapieoptionen
- FAQ
Warum Fehlgeburten passieren
Bei jungen Frauen endet etwa jede siebte Schwangerschaft als Fehlgeburt, bei Frauen über 40 bereits jede dritte. Die häufigste Ursache sind sporadische chromosomale Störungen der Eizelle. Bei gehäuften Fehlgeburten (habituelle Aborte) sollten jedoch systematische Ursachen wie u.a. Gerinnungsstörungen, immunologische Faktoren oder anatomische Besonderheiten ausgeschlossen werden.
Wenn Sie zu Ihrer konkreten Situation, vielleicht auch zu bereits vorliegenden Befunden offene Fragen haben stehe ich Ihnen sehr gerne zu einer ausführlichen und individuellen Online-Beratung zur Verfügung.
Diagnostik nach Fehlgeburten
Nach einer oder mehreren Fehlgeburten ist eine gezielte Diagnostik sinnvoll. Dazu gehören eine genetische Beratung, die Untersuchung auf Gerinnungsstörungen (z.B. M2-Haplotyp des Annexin A5 Gens), immunologische Faktoren (Anti-Trophoblast-Antikörper), anatomische Besonderheiten der Gebärmutter und hormonelle Dysbalancen. Eine umfassende Abklärung hilft, das Risiko künftiger Fehlgeburten zu reduzieren.
Bei habituellen Fehlgeburten (drei oder mehr aufeinanderfolgende Aborte) ist eine systematische Abklärung besonders wichtig. Es werden Gerinnungsfaktoren, Antiphospholipid-Antikörper, Chromosomenanalysen beider Partner, uterine Faktoren und endokrine Störungen untersucht. Basierend auf den Befunden können individualisierte Therapieoptionen wie Antikoagulation, Hormonsubstitution oder chirurgische Korrekturen angeboten werden.
Wenn Sie zu vorliegenden Befunden und/oder bereits durchgeführten oder geplanten Therapieoptionen offene Fragen haben stehe ich Ihnen sehr gerne zu einer ausführlichen und individuellen Online-Beratung zur Verfügung.
Was Sie hier finden
Bei wiederholten Fehlgeburten ist neben der Diagnostik auch die therapeutische Begleitung entscheidend. Je nach Ursache kommen verschiedene Behandlungsansätze in Betracht: Bei Gerinnungsstörungen oder immunologischen Faktoren kann eine medikamentöse Therapie (z.B. mit Heparin, ASS oder Immunglobulinen) das Risiko weiterer Fehlgeburten reduzieren. Bei anatomischen Veränderungen der Gebärmutter können operative Korrekturen hilfreich sein.
Neben der medizinischen Behandlung ist auch die psychologische Unterstützung nach Fehlgeburten essentiell. Die emotionale Belastung für Paare ist oft immens – Gefühle von Trauer, Schuld oder Versagen sind völlig normal. Eine psychosoziale Begleitung kann helfen, den Verlust zu verarbeiten und neue Perspektiven zu entwickeln. In einem persönlichen Beratungsgespräch besprechen wir alle medizinischen und emotionalen Aspekte ausführlich.
Auf dieser Seite finden Sie umfassende Informationen zu verschiedenen Aspekten von Fehlgeburten:
Bei wiederholten Fehlgeburten ist neben der Diagnostik auch die therapeutische Begleitung entscheidend. Je nach Ursache kommen verschiedene Behandlungsansätze in Betracht: Bei Gerinnungsstörungen oder immunologischen Faktoren kann eine medikamentöse Therapie (z.B. mit Heparin, ASS oder Immunglobulinen) das Risiko weiterer Fehlgeburten reduzieren. Bei anatomischen Veränderungen der Gebärmutter können operative Korrekturen hilfreich sein.
Neben der medizinischen Behandlung ist auch die psychologische Unterstützung nach Fehlgeburten essentiell. Die emotionale Belastung für Paare ist oft immens – Gefühle von Trauer, Schuld oder Versagen sind völlig normal. Eine psychosoziale Begleitung kann helfen, den Verlust zu verarbeiten und neue Perspektiven zu entwickeln. In einem persönlichen Beratungsgespräch besprechen wir alle medizinischen und emotionalen Aspekte ausführlich.
Auf dieser Seite finden Sie umfassende Informationen zu verschiedenen Aspekten von Fehlgeburten:

Sporadische Fehlgeburten
Die Fehlgeburt, also das Absterben oder die Fehlentwicklung einer Schwangerschaftsanlage oder der Abgang einer womöglich noch vitalen Schwangerschaft – stellt die häufigste schwere Komplikation einer Schwangerschaft dar. Bei jungen Frauen endet nahezu jede siebente Schwangerschaften als Fehlgeburt, bei zunehmenden Alter einer Frau nimmt diese Häufigkeit noch weiter zu: So muss bei einer Frau von über 40 in fast jeder dritten Schwangerschaft mit einer Fehlgeburt gerechnet werden: Die mit Abstand häufigste Ursache von Fehlgeburten ist eine sporadische chromosomale Störung der zugrundliegenden Eizelle, wobei der Körper der Frau diese Störung meist in einem frühen Entwicklungsstadium der Schwangerschaft wahrnimmt und den weiteren Verlauf dann frühzeitig unterbindet. Grundsätzlich lässt sich eine chromosomale Auffälligkeit am Schwangerschaftsmaterial mittels einer genetischen Untersuchung nachweisen. Das mit Abstand häufigste Ergebnis einer derartigen Untersuchung – der Nachweis einer sporadischen chromosomalen Störung – bedeutet im Regelfall, dass das Fehlgeburtsrisiko für nachfolgende Schwangerschaften nicht nennenswert erhöht ist – also dem vergleichsweisen Altersrisiko entsprecht. Wenn sie sich unsicher sind, ob es sich bei Ihnen um sporadische oder vielleicht doch systematische Fehlgeburten handelt, können wir Ihre persönliche Situation gerne im Rahmen einer persönlichen und individuellen Online-Sprechstunde besprechen.

Einzelne oder gehäufte (habituelle) Fehlgeburten

Einzelne oder gehäufte (habituelle) Fehlgeburten
Sie werden schwanger, können das Kind aber nicht halten? Die Frucht ist abgestorben (verhaltener Abort/missed abortion)? Oder es hat geblutet und die Schwangerschaft ist abgegangen? Konnte man vor der Fehlgeburt im Ultraschall einen Embryo erkennen? war eine Herzaktion zu sehen? Haben Sie womöglich schon mehrere Fehlgeburten durchlitten? Ist der Verlauf jedes Mal ähnlich oder unterschied sich der Ablauf der Schwangerschaften? Konnte das Gewebe mikroskopisch und/oder genetisch untersucht werden? Gibt es schon weitere Untersuchungen nach möglichen Ursachen der Fehlgeburten? Gibt es Therapievorschläge für eine weitere Schwangerschaft?
Ich habe mich seit vielen Jahren sehr intensiv mit den vielfältigen Ursachen einmaliger und gehäufter (rezidivierender) Fehlgeburten beschäftigt. Ich habe dabei sehr viele Paare mit Fehlgeburten beraten und betreut und ich kenne das Leid und die Verunsicherung, die sich oft im Leben betroffener Paare breit machen. Wesentlich zu klären ist zunächst: handelt es sich um eine oder mehrere sporadische Fehlgeburten, denn diese Fälle sind zwar äußerst belastend, es liegt aber kein konkretes Wiederholungsrisiko vor. Hier geht es also wesentlich um „Beistand“ und um „Stress-Reduktion“ und eine medizinische, womöglich nebenwirkungsreiche Behandlung ist nicht erforderlich und birgt womöglich sogar unnötige Risiken (und/oder Kosten)! Oder liegt ein grundsätzliches medizinisches Problem vor? in diesem Fall muss man womöglich mit einem hohen Wiederholungsrisiko für weitere Fehlgeburten rechnen. Ohne zielführende Diagnostik und Kenntnis der Ursachen haben weitere Schwangerschaften oft nur geringe Chancen auf eine normale Geburt und erhöhen das Leiden nur noch zusätzlich! Hier ist es von großer Bedeutung die therapeutischen Möglichkeiten zu kennen und zielgerichtet zu nutzen.
Ich biete Ihnen gerne meine umfangreiche Erfahrung an, um Ihre konkrete Situation, alle bisherigen Schwangerschaften und alle vorliegenden Befunde im Rahmen einer Online-Konsultation zu begutachten. Wir können dabei in Ruhe alle offenen Fragen zum Sinn und zu möglichen Konsequenzen vorliegender oder ergänzender Untersuchungen besprechen. Besonders wichtig ist es dabei vor allem auch, alle möglichen Therapieoptionen in Hinblick auf eine weitere Schwangerschaft zu besprechen und in Ihrem Sinne abzuwägen.
Systematische Wiederholungs-Ursachen
Systematische Wiederholungs-Ursachen
Ganz anders ist die Situation bei sogenannten systematischen Ursachen von Fehlgeburten: so können anatomische Besonderheiten (Myome, Verwachsungen in der Gebärmutter, angeborene Anlage-Störungen der Gebärmutter) Ursache gehäufter Fehlgeburten sein. In diesen Fällen muss man auch für nachfolgende Schwangerschaften mit einem deutlich erhöhten Fehlgeburts-Risiko rechnen. Weitere Ursachen können infektiologischer, hormoneller, immunologischer Natur sein und in vielen dieser Fälle kommt es auch bei nachfolgenden Schwangerschaften immer wieder zu Fehlgeburten. Entsprechend ist es von sehr hoher Bedeutung, diese Fehlgeburts-Ursachen zu erkennen und gezielte Therapiestrategien für eine weitere Schwangerschaft zu nutzen. Beispielhaft ist beim unbehandelten Anti-Phospholipid Syndrom (APS) in etwa 80 bis 90% mit wiederholten Fehlgeburten zu rechnen und es erscheint vor einer weiteren Schwangerschaft von allergrößter Bedeutung, dieses Problem mittels geeigneter Blutuntersuchungen zu identifizieren, zumal eine relativ einfache, gut verträgliche medikamentöse Therapie die Fehlgeburtswahrscheinlichkeit sehr deutlich, nämlich auf etwa 15 bis 20% reduzieren kann. Ich biete Ihnen gerne meine umfangreiche Erfahrung an um sicher zu stellen, dass Ihnen und Ihrem Kind vor einer weiteren Schwangerschaft ein durchdachtes und evidenzbasiertes Therapiekonzept zur Verfügung steht!
M2-Haplotyp des Annexin A5 Gens (M2/ANXA5)

M2-Haplotyp des Annexin A5 Gens (M2/ANXA5)
Annexin A5 ist ein wichtiger Schutz-Faktor, der an der Oberfläche des Mutterkuchens das Blut gegen Verklumpung schützt und flüssig hält. Menschen mit der genetischen Variante M2 haben eine deutlich verminderte Schutz-Aktivität des Annexin A5 und wir konnten am LMU-Kinderwunschzentrum zeigen, dass Frauen mit mehreren Fehlgeburten gehäuft Trägerinnen dieses M2-Haplotyps sind. Darüber konnten wir zeigen, dass die Trägerschaft des M2-Haplotyps auch deutlich gehäuft bei den Partnern von Frauen mit mehreren Fehlgeburten nachweisbar ist. Damit haben wir möglicherweise auch eine relativ häufige väterliche Ursache für Fehlgeburten identifiziert. Mittlerweile haben wir für betroffene Paare auch erste Hinweise auf eine wirksame Therapieoption für nachfolgende Schwangerschaften. Ich habe mich mit diesen Zusammenhänge über viele Jahre intensiv auseinander gesetzt und biete Ihnen bei Bedarf gerne meine umfangreiche Erfahrung dazu an. Vereinbaren Sie hierzu einen persönlichen Termin in meiner Online-Sprechstunde.

Anti-Trophoblast Antikörper

Anti-Trophoblast Antikörper
Eine wichtige immunologische Ursache für Fehlgeburten, der ich schon während meiner Fellowships am Center for Reproduction and Transplantation Immunology (Indianapolis, USA) intensiv nachgegangen bin, ist die Bildung von Antikörpern gegen das Gewebe des Mutterkuchens (Trophoblast). Tatsächlich konnten wir nachweisen, dass einige Frauen das zur Hälfte vom Vater vererbte Mutterkuchengewebe als fremd erkennen und daher dagegen Antikörper produzieren – sogenannte Anti-Trophoblast-Antikörper (ATAK). Diese Antikörper greifen den Mutterkuchen an und sie behindern die Bildung des Schwangerschaftshormons (HCG), womit verständlich wird, warum diese Frauen immer wieder Fehlgeburten erleiden. Bei nachfolgenden Arbeiten am LMU-Kinderwunschzentrum konnten wir eine standardisierte Nachweismethode für ATAK etablieren und damit zeigen, dass bei Frauen nach Fehlgeburten in 17% und bei Frauen mit 3 und mehr Fehlgeburten in 34% ATAK nachweisbar sind.
Therapieoptionen beim Nachweis von Anti-Trophoblast-Antikörpern (ATAK): Mittlerweile konnten wir am LMU-Kinderwunschzentrum eine aussichtsreiche Therapieoptionen für ATAK-positive Fehlgeburts-Patientinnen etablieren. Bei diesen Patientinnen konnten wir bei nachfolgenden Schwangerschaften mittels regelmäßiger Lipid-Infusionen die Wahrscheinlichkeit von Fehlgeburten deutlich reduzieren und fast alle so behalten Patientinnen konnten gesunde Kinder zur Welt bringen. Wenn Sie Fragen zum Nachweis von Anti-Trophoblast-Antikörpern oder zur Therapie mit Lipid-Infusionen haben, stehe ich Ihnen gerne im Rahmen eines ausführlichen und persönlichen Online-Termins zur Verfügung.
Weitere mögliche Ursachen – Sinn und Unsinn von Therapieoptionen

Weitere mögliche Ursachen – Sinn und Unsinn von Therapieoptionen
Bei Frauen mit Fehlgeburten finden sich gehäuft Auffälligkeiten im Bereich der Blutgerinnung und man vermutet, dass eine verstärkte Blutgerinnung womöglich die Blutversorgung der frühen Schwangerschaft beeinträchtigt und damit das Wachsen und die normale Entwicklung behindert. Allerdings sind therapeutische Ansätze in diesen Fällen – vor allem die Gabe von Aspirin und/oder von Heparin – nicht unumstritten. Tatsächlich ergab eine große deutsche Studien an der wir mit unserem LMU-Kinderwunschzentrum maßgeblich beteiligt waren keinen erkennbaren Vorteil für diese Intervention.
Auch differenzierte immunologische und infektiologische Untersuchungen an der Gebärmutterschleimhaut – der Nachweis von NK-Zellen sowie der Nachweis einer sogenannten chronischen Endometritis (CE) – scheinen trotz anfänglicher Zuversicht weitgehend bedeutungslos für eine Erklärung gehäufter Fehlgeburten oder auch für die Auswahl einer Therapie nachfolgender Schwangerschaften. Tatsächlich zeigen aktuelle Ergebnisse, dass die Schwangerschafts-Prognose CE-positiver Patientinnen ohne eine antibiotische Therapie offenbar am günstigsten ist.
Grundsätzlich gibt es eine kaum noch überblickbare Vielzahl möglicher diagnostischer und therapeutischer Optionen bei gehäuften Fehlgeburten – und diese sind leider keineswegs immer sinnvoll. Zudem sollte man sich stets auch über mögliche Risiken und Nebenwirkungen informieren. Es empfiehlt sich jedenfalls vor allem bei „neuartigen“ und noch nicht ausreichend belegten Interventionen zunächst durchaus skeptisch zu bleiben. Auf jeden Fall sollte man stets den Aufwand, die Kosten und vor allem auch mögliche Risiken und Nebenwirkungen für Mutter und Kind im Auge behalten werden, vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Evidenz einer tatsächlichen belegbaren Wirksamkeit. Wenn Sie sich unsicher sind zu Sinn oder Unsinn aufwändiger oder invasiver diagnostischer Interventionen stehe ich Ihnen sehr gerne für eine unabhängige Zweitmeinung im Rahmen eines persönlichen Online-Termins zur Verfügung.

FAQ
Eine Fehlgeburt (Abort) ist der Verlust einer Schwangerschaft vor der 20. Schwangerschaftswoche. Das Absterben oder die Fehlentwicklung einer Schwangerschaftsanlage oder der Abgang einer womöglich noch vitalen Schwangerschaft stellt die häufigste schwere Komplikation einer Schwangerschaft dar. Bei jungen Frauen endet etwa jede siebte Schwangerschaft als Fehlgeburt.
Die Häufigkeit von Fehlgeburten ist altersabhängig. Bei jungen Frauen endet etwa jede siebte Schwangerschaft als Fehlgeburt. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko: Bei Frauen über 40 muss in fast jeder dritten Schwangerschaft mit einer Fehlgeburt gerechnet werden. Diese Zunahme ist hauptsächlich auf die steigende Rate chromosomaler Störungen in den Eizellen zurückzuführen.
Bei mehr als der Hälfte sporadischer Fehlgeburten finden sich ausgeprägte chromosomale Verteilungsstörungen, die mit dem Leben nicht vereinbar sind. Diese sind fast immer das Ergebnis einer fehlerhaften Reifungsteilung, welche die Eizelle während der Ovulation (Eisprung) durchläuft. Derartige fehlerhafte Reifungsteilungen kommen im Rahmen reproduktiver Alterungsvorgänge zunehmend häufig vor: bei Frauen Mitte 20 finden sich chromosomale Fehlverteilungen in etwa jeder zehnten, bei Frauen um die 40 bereits in jeder zweiten ovulierten Eizelle – und entsprechend steigt das Fehlgeburtsrisiko in diesem Zeitabschnitt von etwa 10 auf über 30 %.
Als Ursachen habitueller Fehlgeburten kommen vor allem Anomalien der Gebärmutter (Myome, Adenomyose, angeborene Fehlbildungen), immunologische Ursachen (anti-Phospholipid-Syndrom, Antikörper gegen Schilddrüsengewebe, anti-Trophoblast-Antikörper), Neigung zu Thrombosen (thrombophile Mutationen), hormonelle Störungen, möglicherweise auch einige chronische Infektionen in Betracht. Selten können auch balancierte chromosomale Translokationen bei den Wunscheltern zu gehäuften Fehlgeburten führen. In diesen Fällen finden sich dann unbalancierte chromosomale Verteilungsstörungen im Abortmaterial. In allen anderen Fällen finden sich bei habituellen Aborten (im Gegensatz zu sporadischen Fehlgeburten) meistens normale, also unaufällige Chromosomensätze (46,XX oder 46,XY).
Bei habituellen Fehlgeburten sollte immer ein anti-Phospholipid-Syndrom (APS) erfasst bzw. ausgeschlossen werden. Weitere Hinweise auf ein APS sind neben den wiederholten Fehlgeburten auch andere Schwangerschaftskomplikationen (Frühgeburten, Mangelgeburten, Präeklampsie), erhöhte Gerinnungsneigung und venöse sowie arterielle Thrombosen, Lungenembolien sowie Hautveränderungen (netzartige, bläuliche Zeichnung der Haut = Livedo reticularis) und neurologische Probleme (Migräne, Krampfanfälle). Die Diagnose des Antiphospholipid-Syndroms (APS) erfordert die Kombination von mindestens einem klinischen Kriterium (s.o.) und mindestens einem Labor-Kriterium (Nachweis von Lupus-Antikoagulans, Anti-Cardiolipin-Antikörpern oder Anti-β2-Glykoprotein-I-Antikörpern), wobei die Laborbefunde über mindestens 12 Wochen persistieren müssen, um eine gesicherte Diagnose zu stellen.
Die Therapie des Antiphospholipid-Syndroms (APS) in der Schwangerschaft zielt darauf ab, die zelluläre (Blutplättchen) und die plasmatische (Fibrinpolymerisation/Gerinnselbildung) Gerinnung zu verhindern und besteht meist aus einer Kombination von Acetylsalicylsäure (ASS 75-100 mg/d) und niedermolekularem Heparin (subcutan). Diese Therapie wird unmittelbar mit dem Eintritt der Schwangerschaft begonnen und bis etwa sechs Wochen nach der Geburt fortgesetzt, wobei die genaue Dosierung von der individuellen Krankengeschichte abhängt. Mit dieser Behandlung lassen sich die Fehlgeburtsraten auf etwa 20 % reduzieren – allerdings bleibt die Schwangerschaft auch mit dieser Behandlung eine Risikogravidität und erfordert die Betreuung durch geeignete Experten.
Der M2-Haplotyp ist eine genetische Variante des Annexin A5 Gens, die bei etwa 10% der Bevölkerung vorkommt und zu wiederholten Fehlgeburten führen kann. Diese Störung beeinträchtigt die Blutgerinnung in der Plazenta.
Anti-Trophoblast-Antikörper sind gegen Plazenta-Gewebe (Mutterkuchen) gerichtet und blockeiern u.a. die Produktion von Schwangerschaftshormon. Bei Frauen mit 2 Fehlgeburten finden sich in etwa 17%, nach drei Fehlgeburten in über 34% derartige Antikörper. Infusionen mit Lipid-Lösungen reduzieren die Aktivität dieser Antikörper und in einer ersten internationalen Publikation konnten wir zeigen, dass die meisten entsprechend behandelten Patientinnen normale nachfolgende Schwangerschaften mit gesunden Kindern hatten: Effects of intralipid infusions on anti-trophoblast antibody (ATAb)-activities in patients with recurrent pregnancy loss: An observational report. American Journal of Reproductive Immunology. 2022 Feb;87(2):e13506.
Hormonelle Störungen wie Gelbkörperschwäche (niedriger Progesteronspiegel) können zu Frühschwangerschaftsverlust führen. Eine Hormonsubstitution kann in einigen Fällen helfen, die Schwangerschaft zu stabilisieren.
Eine Fehlgeburt ist emotional sehr belastend. Psychologische Begleitung, Entspannungstechniken und der Austausch mit anderen Betroffenen können helfen, die Trauer zu verarbeiten und neue Zuversicht zu gewinnen.
Es wird empfohlen, sich nach einer Fehlgeburt vor einer weiteren Schwangerschaft etwas Zeit zu nehmen. Vor allem sollte man der Seele etwas Zeit nehmen, die Belastungen einer Fehlgeburt hinter sich zu lassen. Seitens körperlicher Faktoren hängt es vor allem von Zeitpunkt und Ursache der Fehlgeburt ab, wann man wieder "grünes Licht" für eine weitere Schwangerschaft geben sollte. Das sollten Sie am besten mit Ihren betreuenden ÄrztInnen besprechen.
Bei wiederholten Fehlgeburten sollte vorher unbedingt eine sorgfältige Diagnostik erfolgen, um Wiederholungsursachen zu erkennen.
Sporadische Fehlgeburten lassen sich meist nicht verhindern. Bei wiederholten Fehlgeburten ist eine sorgfältige Diagnostik von großer Bedeutung, denn nur dann können systematische Abortursachen erkannt und behandelt werden.